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9. Armutskonferenz: Sparringpartner Armutsindustrie

Aktiver Admin am Fr, 25.12.2015 - 01:07

Bereits beim ersten Treffen von „sichtbar werden“ zu dem die Armutskonferenz 2009 VertreterInnen von Betroffenenselbstorganisationen in das Wiener Kulturzentrum wuk geladen hatte, nahmen die AMS Aktiven Arbeitslosen mit einer noch ironisch gemeinten künstlerischen Intervention die Zukunft vorweg: „Ein hoch der Armut, sie beschert uns viele Konferenzen“ 40.

Die seit dem jährlichen mehrtägigen Treffen laufen nach dem gleichen Schema ab: Unter der wohlmeinenden Aufsicht der „Eltern“ dürfen Armutsbetroffene in Workshops Erfahrungen austauschen und gute Ideen zur „Armutsbekämpfung“ sammeln. Eine „kreative Aktion“ wird vorbereitet und im öffentlichen Raum – zumeist ohne Zuschauer – präsentiert. Fallweise werden Treffen mit PolitikerInnen organisiert oder diese zu einem Weltcaf'é geladen. Als Abschluss gibt es ein schönes Gruppenfoto.

Am Anfang war es ja ganz nett, Armutsbetroffene auch aus anderen Bereichen kennen zu lernen, zumal dank Fahrtkostenübernahme durch die Armutskonferenz dies die einzige reale Gelegenheit ist, ähnlich Gesinnte aus anderen Bundesländern zu treffen. Aber wenn sich immer die Gleichen treffen und nichts Konkretes, Weiterführendes entsteht, wird es öd. Vor allem wenn die elterliche Fürsorge in der sozialen Wärmestube dafür sorgt, dass es ja nicht zu politisch wird.

Als besonderen Lohn für braves Mitwirken dürfen 5 Armutsbetroffene einmal im Jahr nach Brüssel zu einem vom European Anti Poverty Network EAPN mitorganisierten Treffen Armutsbetroffener (PEP – People Experiencing Poverty) fliegen, wo ebenfalls wohlorganisiert ein wenig Erfahrungsaustausch auch mit PolitikerInnen der EU passiert. Die EAPN macht herzlich wenig, um eine offene und dauerhafte Vernetzung von Betroffenenselbstorganisationen in Europa aufzubauen. Als wir für unsere internationale Arbeitslosenkonferenz die auf der EAPN-Homepage angegebenen Kontakte der EAPN-Mitglieder mit E-Mail anschrieben, um Kontakt zu Arbeitsloseninitiativen zu erfragen, funktionierte ein Viertel der E-Mail-Adressen nicht und wir erhielten nicht eine einzige Antwort.

Vielleicht auch auf unsere Nadelstiche hin war es bei „Sichtbar werden VI“ vom 23.-25. Juni 2011 in Mariazell so weit: Wir beschlossen es zu versuchen, erwachsen zu werden und eine eigene Plattform der Betroffenenselbstorganisationen aufzubauen 41. In einer Vorkonferenz stellten die Arbeitsloseninitiativen einhellig als Bedingung für die angestrebte Mitgliedschaft dieser Plattform bei der Armutskonferenz auf, dass die Armutskonferenz sich offiziell gegen die AMS-Sanktionen positioniert.

Sobald das Team zum Aufbau der Plattform gewählt worden war, werkte dieses vor sich hin wie eine kleine Regierung um einen Dachverband mit Vereinsstatut, Leitbild uns so weiter zu gründen. Aufträge der Armutskonferenz zur Beschickung von internationalen Konferenzen sowie eines Beirats im Sozialministerium zur Mindestsicherung wurden ohne die Basis zu informieren unter erledigt, weshalb wir uns zurück zogen. Das Projekt versandete vorerst.

Bezeichnend war auch, dass die Betroffenenselbstorganisationen 2009 nicht über die Ausschreibungen zum Europäischen Jahr der Armut informiert wurden und dann nur bei den fix und fertigen Projekten der Armutskonferenz mitmachen durften. Auch konnten wir keine echte Einbindung der Betroffenenselbstorganisationen in die laufende Arbeit der Armutskonferenz fest stellen, weshalb wir uns nun eher zurück gezogen haben.

Ähnlich die Erfahrungen mit dem erst 2011 gegründeten „Wiener Armutsnetzwerk“ (WAN), dessen Führung uns nicht so recht als Mitglied haben will.

Die „Armutsbranche“ hat offenbar kein Interesse, dass die Armen selbstständig um ihr Recht kämpfen und womöglich unabhängig von den „Hilfsorganisationen“ werden.