Das AMS, die Caritas und die Menschenwürde - Transitarbeit im Carla Shop Gröbming

Almira am Fr., 03.05.2013 - 18:02

Carla Werkstart, Frühjahr 2013

Im Frühjahr 2013 war ich für einen Monat in einem Gebrauchtwarenladen der Caritas beschäftigt. Es war ein Dienstverhältnis als Transitmitarbeiterin auf dem sogenannten 2. Arbeitsmarkt, das mir vom AMS zugewiesen wurde und 3 bis 9 Monate dauern sollte.

Das erklärte Ziel war die Verbesserung meiner Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Zusätzlich sollte ich sozialpädagogisch betreut und durch die Ausübung der Tätigkeit qualifiziert werden.

Die Carla als sozialökonomischer Betrieb (SÖB)

Carla gehört zu den sogenannter Sozialökonomischen Betrieben, kurz SÖB.

In der Bundesrichtlinie für SÖB, in Kraft getreten am 1. Mai (!) 2008, ist deren arbeitsmarktpolitische Aufgabe (6.1) angegeben als:[Download Bundesrichtlinie von der AMS-Homepage]

  • die Bereitstellung von befristeten Arbeitsplätzen;
  • die Organisation von Betreuungs- und Trainingsmöglichkeiten für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen im Rahmen eines Wirtschaftsbetriebes;
  • die Beseitigung von Vermittlungshemmnissen und die Reintegration der befristet Beschäftigten in den regulären Arbeitsmarkt;
  • die Verbesserung der Reintegrationschancen der Transitarbeitskräfte durch gezielte Qualifizierung.

Unter 6.2. sind dann Leistungsbereiche definiert:

Die Integration ins Erwerbsleben (6.2.1)

und der Ausstieg aus dem Erwerbsleben (6.2.3):

„Das wesentlichste Merkmal ist der Verbleib von älteren Personen – die wenige Jahre (3,5 Jahre oder kürzer) vor der Alterspension stehen – bis zum Antritt dieser im Sozialökonomischen Betrieb. Die Beschäftigung erfolgt in Form eines Dienstverhältnisses. Die Arbeitsleistung für den/die DienstgeberIn steht im Vordergrund.“

Ein gewisser Widerspruch zwischen der arbeitsmarktpolitischen Aufgabe und dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben ist dabei nicht zu übersehen.

Siehe auch:

Ich gehöre zu der Gruppe von älteren Personen. Doch davon wusste ich damals noch nichts. Ich war anfangs fest entschlossen, zumindest drei Monate durchzuhalten. Und ich hatte ja auch keine Wahl: Bei Ablehnung wurde mir eine Bezugssperre von 6 Wochen angedroht. Also entschloss ich mich, das Unvermeidliche zu nutzen, um mir wieder ein wenig Freiraum vom AMS zu erarbeiten und einem weiteren Bewerbungstraining zu entkommen. Durch den versprochenen Kombilohn wurde die schlechte Bezahlung aufgebessert, da hätte sich auch das Minus auf meinem Konto ein wenig verringern können.

Hätte, denn ich merkte recht bald, dass die Arbeitsbedingungen und die Situation insgesamt sich katastrophal auf mein Selbstwertgefühl, meine Zuversicht und meinen Lebensmut auswirkten. Und das ist für mich noch schlimmer, als mit dem Geld nur bei äußerster Sparsamkeit über die Runden zu kommen. So kündigte ich gegen Ende der Probezeit, die mir ausdrücklich als solche präsentiert worden war, und erlebte nach der Wiederanmeldung beim AMS eine böse Überraschung:

Mir wurde eine Bezugssperre angekündigt.

Das war der Moment, wo ich die Frage: „Dürfen die das?“ nicht mehr wegschieben konnte. Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf die Seite der Aktiven Arbeitslosen, wurde Mitglied und bat um Beratung.

Die folgenden Wochen war ich wie untergetaucht und damit beschäftigt, die Informationen im Arbeitslosennetzwerk zu durchforsten und Schreiben an das AMS zu verfassen.

Die Bezugssperre konnte ich nicht mehr verhindern, aber ich legte Berufung dagegen ein.

Das Verfahren läuft noch, der Ausgang ist ungewiss.

Menschenwürde

Jetzt sitze ich wieder am PC, um meine Geschichte zu erzählen. Dazu muss ich mich zwingen, denn das ist alles so grauslich, dass ich am liebsten nie mehr damit zu tun haben möchte. Reif für die Insel. Doch die kann ich mir nur in meinen Träumen ausmalen. Nächste Woche muss ich wieder zum AMS. Ein neuer Betreuungsplan soll erstellt werden. Und ich weiß nicht, was da auf mich zukommt.

Ungewissheit, ausgeliefert und ausgesetzt sein, Demütigung und Entrechtung – diese Worte fallen mir ein, wenn ich den Ausnahmezustand beschreiben soll, in dem ich mich seit Wochen befinde. Und ich brauche all die persönlichen Strategien und Kraftquellen, die ich bei der Bewältigung anderer, nicht zu knapp bemessener Lebenskrisen erworben habe, um mich aufrecht zuhalten. Wirklich alle, denn diese Art von Ohnmacht und Perspektivlosigkeit habe ich bisher noch nicht erlebt. Siehe auch alone in the dark (PDF-Dokument)

Das hat auch damit zu tun, dass die Welt wie auf den Kopf gestellt ist. Menschen, die behaupten, mich unterstützen zu wollen und dafür auch bezahlt werden - MitarbeiterInnen des AMS oder die sogenannten sozialpädagogischen BetreuerInnen - tun genau das Gegenteil:

Sie lassen mich bei der Suche nach einer mir entsprechenden Erwerbstätigkeit allein. Sie interessieren sich nur in Ausnahmefällen für das, was ich anstrebe. Sie verwenden die Informationen, die sie über mich bekommen, um mich herunter zu machen.

Sie zwingen mich, Tätigkeiten zu verrichten, für die sie sonst keinen kriegen, und unter Bedingungen, die freiwillig niemand auf sich nehmen würde. Und wenn ich mich dagegen wehre, wollen sie mir auch noch das bisschen Geld wegnehmen, das ich zum Überleben brauche.

Wenn sie mich dabei freundlich und verständnisvoll anlächeln und mich ermutigen wollen, wird es noch schlimmer. Ich lasse mir nicht gern ins Gesicht lügen.

Sozialpädagogische Betreuung

Auch wenn die Arbeitsleistung für den Dienstgeber im Vordergrund steht, ist die sozialpädagogische Betreuung ein wesentlicher Bestandteil bei der Beschäftigung in SÖB und dient wohl auch als Rechtfertigung für die Förderung.

In der Bundesrichtlinie steht das so:

„Im Betreuungsteil ist die für die jeweilige Zielgruppe erforderliche sozialpädagogische Betreuung und die Zielsetzung der mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen theoretischen und praktischen Ausbildung im Detail darzustellen.“

 

„Bestehende Projekte haben ... den Nachweis eines Qualitätsmanagementsystems, jedenfalls bzgl. der Umsetzung des Betreuungsteils und der Teilnahmezufriedenheit zu erbringen.“

„Der Beschäftigungsträger ist verpflichtet, mit den Transitarbeitskräften eine individuelle Vereinbarung abzuschließen, welche die Zielsetzung und die zu erbringenden Dienstleistungen bzgl. der sozialpädagogischen Betreuung und Qualifizierung beinhaltet.“

So weit die Theorie. Nun zur Praxis, wie ich sie erlebt habe:

Nach Erledigung der Einstellungsformalitäten wurde mir ein Standardformular vorgelegt, das ich zusammen mit der Projektleiterin unterzeichnen sollte. Das Blatt trug die Überschrift: „Vereinbarung über die Begründung eines Dienstverhältnisses“ und war mit dem Logo des AMS und des Europäischen Sozialfonds versehen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Heute würde ich nicht mehr unterschreiben. In der Situation war ich einfach überrumpelt, so wie mir das beim AMS schon öfter passiert ist,

Nach einer kurzen Beschreibung der Tätigkeit ist als Ziel die Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt angeführt. Erreicht soll das werden über berufliche Qualifizierung und über sozialpädagogische Betreuung, unter anderem durch Stabilisierung, Persönlichkeitsentwicklung, Unterstützung bei notwendigen gesundheitsfördernden Maßnahmen und Verbesserung der Selbstorganisationsfähigkeit.

Auf meine Frage, wie das in meinem Fall wirksam umgesetzt werden sollte, erhielt ich eine ausweichende Antwort.

Dazu muss ich vielleicht erklären: Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium und einige Ausbildungen im Bereich Beratung und Körpertherapie absolviert. Beruflich war ich unter anderem als Führungskraft und in der Organisation von Projekten tätig.
Als ich beim Vorstellungsgespräch meine Bewerbungsmappe vorlegte und dazu bemerkte, dass ich mich bei der Beschäftigung wohl im falschen Kino befinde, erhielt ich als Antwort:: Lassen Sie sich doch mal auf diese neue Erfahrung ein.
Nach meiner Lebenssituation und meinen persönlichen und beruflichen Zielen wurde erst gar nicht gefragt, es gab auch später keine Gespräche darüber.

In meinem Fall ist die Sache also recht klar: Es handelt sich hier um Missbrauch von Fördergeldern, in den ich durch die verlangte Unterschrift mit hineingezogen wurde.
So etwas nennt sich üblicherweise Betrug.

Bei den Kolleginnen, die ich kennengelernt habe, ist es vielleicht nicht ganz so eindeutig. Eine Qualifizierung hat auch bei Ihnen sicher nicht stattgefunden. Das ist kaum möglich, wenn es sich vorwiegend um Hilfstätigkeiten handelt. Ob Ihnen eine entsprechende Betreuung zuteil wurde und ob ihnen das weiter geholfen hat, weiß ich nicht.

Zu den gesundheitsfördernden Maßnahmen kann ich nur sagen: Zwei Kolleginnen im mittleren Alter waren chronisch krank und litten unter beständigen Schmerzen. Das war wohl auch der Grund, warum sie sonst keine Arbeit mehr fanden. Auf ihren Gesundheitszustand wurde in keiner Weise Rücksicht genommen.

Arbeiten bei Carla

Die Arbeitsabläufe, wie ich sie kennen gelernt habe, sind bestimmt durch ein saisonal bedingtes Überangebot an Sachspenden - Alttextilien, Geschirr, Bücher und Spielwaren - das durch die verfügbaren Mitarbeiterinnen kaum zu bewältigen ist. Auch deshalb, weil immer wieder Leute in Krankenstand gehen oder vor Ablauf der ersten drei Monate aussteigen und die Personalplanung dadurch erschwert wird.

Für Verkauf und Bedienung der Kassa im Ladenraum ist jeweils eine Mitarbeiterin zuständig. Der Hauptanteil der Arbeiten besteht in der Vorbereitung der Gebrauchtwaren für den Verkauf im Ladengeschäft:

  • Entgegennahme von Sachspenden, die aufgrund des hohen Warenaufkommens in der Garage zwischengelagert und zur Grobsortierung ins Möbellager transportiert werden, kleinere Mengen werden auch direkt verarbeitet
  • Feinsortierung der vom Möbellager angelieferten Waren
  • Entsorgung schadhafter Artikel
  • Reinigung von Geschirr und anderen Gegenständen
  • Auspreisen der Waren (Preisschilder werden mit Bleistift beschriftet und mehrfach
  • Ansprechende Darbietung der Waren im Geschäft
  • Aussortieren und Verpacken von Waren, die kleine Mängel aufweisen oder die nach 1 bis 2 Wochen im Ladengeschäft nicht verkauft wurden und über Großhändler in „arme Länder“ verfrachtet werden.

Die Fähigkeiten zur Durchführung der Arbeiten werden stillschweigend vorausgesetzt. Information und Einweisung erfolgen bruchstückhaft nebenbei und sind auf das Notwendigste beschränkt. - Von Qualifizierung ist dabei nichts zu bemerken.

Das Ladengeschäft ist geräumig und ansprechend gestaltet, die Schaufenster werden regelmäßig neu dekoriert. Eng wird erst nur im Hintergrund, doch davon bekommen Besucher und Kunden nicht so viel mit.

Den Zustand der Nebenräume und die Arbeitsorganisation kann ich nur als chaotisch bezeichnen. Dies liegt wohl vor allem an einer Logistik, die dem Warenaufkommen nicht entsprechend angepasst ist, zum Teil auch an der Eigenart der „Filialleiterin“.

Innerhalb der Betriebsräume gibt es keine Möglichkeit, diesem Chaos zu entkommen. Meine Mittagspause verbringe ich in einem nahe gelegenen Park oder bei Regen im Auto.

Ich habe schon viel geräumt in meinem bisherigen Leben. Nur das hier ist anders: Es nimmt kein Ende, weil täglich neue Gegenstände dazukommen. Das Erfolgserlebnis, das sonst nach der Plackerei kommt, bleibt einfach aus. Ein Geruch nach gebrauchten Kleidern oder nach penetranten Weichspülern ist allgegenwärtig, dazu ein ganz feiner Staub, von dem die Hände nach kurzer Zeit rau werden. Und die Lüftung ist nicht ausreichend.

Deshalb ist das Erste, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme: Die Kleider vom Leib und auf den Balkon gehängt, mich selbst unter die warme Dusche gestellt. Trotzdem hängen Geruch und Staub noch irgendwie in der Nase. Und die Stimmung ist absolut im Keller. Was mir da sonst hilft, ist Bewegung im Freien. Doch das kann ich jetzt auch nicht, weil mir mein Knie wehtut.

Als Folge einer Knieverletzung vor einigen Jahren kann ich nicht 7h am Tag stehen und hin und her laufen. Auf meine dringende Bitte wird mir zwar ausnahmsweise Schonung gewährt, und ich darf manche Tätigkeiten im Sitzen ausüben. Doch wenn ich am Nachmittag alleine im Geschäft bin, geht das nicht – im Ladenraum ist Sitzen prinzipiell nicht erlaubt.

Nach knapp zwei Wochen habe ich dann einen Arbeitsunfall: Ich stürze über die etwa 25cm hohe Schwelle vom Lagerraum zur Garage und verstauchte mir das Fußgelenk, glücklicherweise ohne Knochenbruch oder Bänderriss.

Carla Gröbming: Garage vor dem Aufräumen: Ein Chaos

Bei meinem Arbeitsbeginn 10h45 befanden sich Sortierraum und Garage in diesem Zustand. Mir wurde der Auftrag erteilt (gemeinsam mit einer Kollegin, die zu Mittag dazukommen sollte):

Der neu angelieferte Container im Hintergrund am Garagentor soll entleert, der Inhalt sortiert, ausgepreist und im Geschäft ausgelegt werden. In den entleerten Container sollen die rechts aufgestapelten Waren zur Abholung am Nachmittag eingefüllt werden.

Die Garage
Carla Gröbming: Die Ursache des Sturzes: eine Stufe

Nach kurzer Erholung von meinem Sturz über die Schwelle machte ich mich an die Arbeit, unterstützt von den Kolleginnen.

Carla Gröbming: Nach dem Aufräume: schon etwas geordneter

Um 12h40 sah die Sache dann schon etwas besser aus.

Mit vereinten Kräften gelang es bis 18h, auch das Chaos in den anderen Räumen zu beseitigen. Abgeholt wurde nichts.

Mein verletzter Knöchel machte sich erst in der Nacht so richtig bemerkbar.

 

Carla Gröbming: Nach dem Aufräumen - schon etwas geordneter

Während meines 10-tägigen Krankenstandes wird mir die Absurdität der Situation so richtig bewusst. Miese Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, keine Perspektive in Sicht. Keine Chance, Ideen zur Verbesserung einzubringen. Ständig auf der Hut, um nicht anzuecken. Drei Monate oder vielleicht sogar länger – da bin ich dann selbst reif für die Entsorgung.

Mein Arbeitsunfall scheint keinen beunruhigt zu haben. Ein Unfallbericht wird erst auf Rückfrage seitens der Krankenkasse erstellt. Es wird auch nicht darüber gesprochen, ob vielleicht die Sicherheit in den Betriebsräumen erhöht werden könnte, um solche Unfälle zukünftig zu vermeiden.

Bei meiner Rückkehr hat sich schon wieder ein ähnlich chaotischer Zustand entwickelt, wie er auf den Fotos gezeigt wird. Und die Flut der Sachspenden nimmt kein Ende. Gleich am ersten Nachmittag – ich bin alleine im Geschäft - muss ich ein ganzes Auto leerräumen. Wegen der Sperrmüllsammlung, an der sich die Caritas mit der Entgegennahme von Sachspenden beteiligt hat, ist jetzt offenbar auch das Möbellager hoffnungslos überlastet. Es wird wieder nichts abgeholt, und ich kann die überbrachten Waren nur irgendwie auf den großen Haufen in der Garage stapeln.

Da die Probezeit sich nun dem Ende nähert – und ich bin ja der Meinung, dass es sich hier um eine richtige Probezeit handelt – muss ich eine Entscheidung treffen.

Nach der Kündigung bin ich unendlich erleichtert – leider nur für sehr kurze Zeit.

Abschlussbericht

Als kleines Nachspiel ist hier noch zu erwähnen: Am Ende der Beschäftigung muss vom Dienstgeber ein Abschlussbericht an das AMS übermittelt werden - eine Art persönlicher Beurteilung mit einer „sozialpädagogischen Stellungnahme“.

Das geschieht ohne meine Zustimmung und ohne Rücksprache mit mir. Ich bekomme den Bericht auch gar nicht zu lesen. Erst wenn ich Datenauskunft verlange, muss er mir vom AMS oder SÖB übermittelt werden.

Es gelang nicht beim ersten Anlauf, aber schließlich hielt ich den Bericht in der Hand. Und ich stehe hier vor der Schwierigkeit, dass jeder Satz, den ich darüber schreibe, eine Qualität vorspiegeln würde, die gar nicht enthalten ist. Durch diese scheinbare Harmlosigkeit gelingt es, ein Bild zu zeichnen, das meiner Persönlichkeit und meiner Arbeit bei Carla so gar nicht gerecht wird: Eine arbeitsunwillige alte Frau mit gesundheitlichen Problemen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

Das Ziel der Betreuung, die ja nie stattfand, wurde nachträglich meinen Knieproblemen angepasst. Ja, und in 6 Stunden, an die ich mich nicht erinnern kann - wohl schon das erste Zeichen einer beginnenden Demenz – sollen Persönlichkeitstraining, teambildende Maßnahmen und Gruppengespräche durchgeführt worden sein.

Als Dienstzeugnis wäre so etwas nicht zulässig. Und in Bezug auf die sozialpädagogische

Betreuung tritt, quasi im Rückblick, etwas Ungeheuerliches zutage:

Ethische Richtlinien für die Arbeit mit Menschen, die für Beratung, Pädagogik und Therapie gleichermaßen gelten, werden einfach beiseite gelassen. Das sind: Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Wertschätzung, Respekt vor der Eigenart, Begegnung auf Augenhöhe – um nur die wichtigsten zu nennen.

Die Bezeichnung „sozialpädagogische Betreuung“ ist unter diesen Bedingungen nicht mehr gerechtfertigt. Geblieben ist nur eine leere Hülle, die vor allem der Disziplinierung und Entmündigung dient.

Almira (Name von der Redaktion geändert)


Anhang: Der Abschlußbericht im Wortlaut (Auszug)

Download PDF Abschlußbericht als PDF-Dokument

Inhaltliches Maßnahmenziel laut Förderungsvereinbarung:
Kennenlernen des Textilbereichs und der Sachspendensortierung Vereinbarkeit von Beruf und körperlichen Einschränkungen

TAK hat inhaltliches Maßnahmenziel erreicht: Nein

Festgestellte Problembereiche (bitte ankreuzen):
Qualifikation
begünstigte/r Behinderter
x Einstellungen/ Leistungsbereitschaft
geschützte Arbeit
Sprache/ Bildung persönliche Defizite
Exekutionen x Alter
Suchtverhalten
x Gesundheitszustand
haftentlassen
familiäre Situation
Sozialverhalten
allgemeine Wohnsituation
andere Mobilität
diagnostizierte psych. Beeinträchtigungen

Nähere Erläuterung(en) zu den genannten Problembereichen bzw. Darstellung anderer / weiterer Problembereiche:
Fr. Almira hat von Anfang an Schwierigkeiten mit ihrem Knie. Sie musste ihre Arbeit auch vermehrt im Sitzen erledigen.

Tätigkeitsbereiche der TAK: Carla Verkauf und Sachspendensortierung

Verlaufsbericht:Frau Almira arbeitete im Carla im Bereich Verkauf und Sachspendensortierung. Sie nahm an projektbegleitenden Gesprächen teil.

Sozial- und berufspäd. Aktivitäten: Persönlichkeitstraining, Teambildende Maßnahmen

Soz.-Päd. – Betreuungsumfang in Std.: 6h

Fr. Almira hat zu Beginn ihres Dienstverhältnisses schon geäußert, dass sie nur hier sei, da das AMS sie geschickt habe. Aber sie will die Arbeit im Carla versuchen, auch wenn es nicht ihrer ursprünglichen Tätigkeit entspricht. Fr. Alrmira war in der Zeit eher langsam in ihrem Arbeiten und zum Schluss auch sehr unkonzentriert, da das Licht nach Dienstschluss im Carla dennoch brannte. Zudem konnte Fr. Almira nicht die ganze Arbeitszeit im Stehen absolvieren, da sie schon früher Knieprobleme hatte. Wir sind ihr entgegengekommen, dass sie mehr Hintergrundarbeiten im Sitzen verrichten konnte, ihr Knie aber dennoch lt. ihren Angaben schmerzte. Fr. Almira hatte nach kurzer Zeit einen Arbeitsunfall und fiel 12 Tage aus. Nach dem Krankenstand hat sie zwar wieder gearbeitet, entschied sich aber auch aus gesundheitlichen Gründen sowie privaten Gründen, das Wiederfinden ihrer Kreativität, für einen Ausstieg im Probemonat.

Austrittsgrund: Ausstieg im Probemonat durch DN

Sofern nicht Austrittsgrund Arbeitsaufnahme:Zur Integration in den 1. Arbeitsmarkt wäre notwendig: Anstellung im Sozialbereich

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