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Offener Brief über Missstände bei itworks: Für Akademiker nur Hilfsjobs "angeboten"!

Aktiver Admin am Mo., 02.03.2015 - 17:21
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Seit 8 Wochen vergammle ich schon im nächsten Loch, ehe ich mich von dem Schock und Trauma der vorherigen AMS-Maßnahmen erholen konnte. Ihre sogenannten „gemeinnützigen Integrationsleasing“-Stellen (SÖBÜ), die unter dem Deckmantel  der „Sozialökonomie“ Arbeitssuchende an Dritte vermitteln, sind meiner Ansicht nach alles andere als sozial und ökonomisch.
 
Ich habe den Eindruck, dass es sich hier längst nicht mehr um die Bedürfnisse und Interessen von Arbeitssuchenden handelt, sondern vielmehr um den Wohl der Leasingfirmen, die ihren Angestellten intern Zahlen vorschreiben, damit die nächste Ausschreibung gesichert ist. Diese wiederum sind dazu gezwungen, auf Kosten von Arbeitssuchenden ihre Moral herunter zu schlucken, um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. So werden von Leasingarbeiter_innen nicht selten fiese und unfaire Tricks angewendet, um sich heraus zu putzen.

Dabei reden wir hier von Menschen(!), die in ihrem Leben weniger Glück gehabt haben, die hilflos sind und in einer sozialen Ausgrenzung leben.
 
Die Integrationsleasings-Firma „Jobtransfair“, wo ich meine ersten Erfahrungen als einziger Akademiker sammeln durfte, wurde ich mit Unwahrheiten und Verleumdungen zum AMS zurückgedonnert, als man mich nicht vermitteln konnte. Diesbezüglich habe ich einen genaueren Bericht an Jobtransfair und AMS Hauffgasse am 09.04.2014 per Mail zugeschickt.
 
Nicht anders bei „It-Works“, die ich seit 12. Januar 2015 besuche, werden fast ausschließlich unterbezahlte Handwerker-, Putz-, Lager- und Verkaufstätigkeiten vorgelegt und schlimmsten Falls den ahnungslosen Arbeitssuchenden eingeredet. Eigeninitiativen, die im außerhalb der Leasingfirmen liegen, sind verpönt, weil sie für das Unternehmen keinen Profit bringen.
 
Damit die Angestellten der Leasingfirmen den Arbeitsplatz sichern bzw. in der Karriereleiter hochsteigen können, werden ausschließlich Jobs aus der eigenen Unternehmensliste vorgelegt, mit denen idealerweise ein Vertrag zustande kommt. So wurde mir beispielsweise die Zusage für eine Praktikumsstelle von Krankenanstaltenverbund (KAV) nicht genehmigt. Und jegliche eigenständige Bemühungen um einen Job in einem würdigen Bereich wurden mit verzogenem Mundwinkel gegen meinen Interessen erwidert.

Das hat mit „Gemeinnützigkeit“ oder „Sozialen Ökonomie“ bei weitem nichts zu tun; das ist Kapitalismus, das ist Ausbeutung, das ist Menschenhandel, das ist schon Prostitution und Vergewaltigung! Und das alles auf Kosten von Schwächeren!
 
Täglich und Wochen lang durfte ich mir ansehen und anhören wie ein 60 jähriger Arbeitssuchende fast schon Teile seiner Lunge heraushustete und merklich nicht in guter gesundheitlicher Konstitution sowie nicht arbeitsfähig war – er wurde erst nach der fünften Woche zum AMS zurückgeschickt.

Mehrere Wochen durfte ich mich im Kreis des Proletariats aufhalten, dessen Jargon ich langsam übernehme. Ich durfte mir ansehen, wie Teilnehmer_innen ihre kriminelle Vergangenheit untereinander austauschten, und wie eine Teilnehmerin unterhaltsam erzählte, dass sie ihren Exfreund „niedergestochen“ hat.

Nicht nur meinen akademischen Grad, auch meinen Maturaabschluss muss ich im Interesse meiner körperlichen Unversehrtheit in der Gruppe verschweigen.
 
Seit letzter Woche wird mir das Angebot, einen Callcenter-Job anzunehmen, aufdringlich suggeriert. Einer davon wäre Teilzeit 30h/Woche; die Nettobezahlung liegt in der Höhe meiner Notstandshilfe. Das Argument: Ich könnte mich ja „hocharbeiten“.

Ich habe kein Interesse daran, mich in die Armut hineinzuarbeiten, damit andere Millionen verdienen. Durch ihre repressiven Maßnahmen fühl ich mich langsam entmenschlicht und bin mit meiner Psyche am Ende.
 
Ich werde keinen Fuß mehr in Leasingfirmen setzen – sie sind für mich eine Zumutung. Für die Konsequenzen bin ich bereit gerade zu stehen. Meine Würde, meine physische und psychische Gesundheit ist mir mehr wert.
 
M. G., BSc

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