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LeserInnenbrief zum Artikel "Trotz Vollzeit unter 1.500 Euro" von Bettina Coska (AK Oberösterreich)

Aktive Arbeits… am Fr., 15.05.2015 - 16:10
Angaben zum Brief
Brief abgesendet

Sehr geehrte Frau Bettina Csoka,

vielen Dank für Ihren Artikel „Trotz Vollzeit unter 1.500 Euro“
(http://blog.arbeit-wirtschaft.at/trotz-vollzeit-unter-1500-euro/).

Bei der Aufzählung von Branchen, die besonders von Niedriglöhnen betroffen sind, scheinen Sie eine völlig auszublenden: Die „TransitmitarbeiterInnen“ in den Workfare-Programmen des vom AMS künstlich geschaffenen „zweiten Arbeitsmarktes“ (SÖBs und GBPs), die mit einem sittenwidrigen Pauschallohn von sage und schreibe 1.373,60 Euro abgespeist werden. Egal was sie arbeiten. Egal wie viel Berufserfahrung (Vordienstzeiten). Egal welche Qualifikation. Egal welche Arbeit sie verrichten. Das kollektivvertragliche Grundprinzip der Differenzierung, das die Schwächeren vor Ausbeutung schützen soll, wird hier völlig negiert.

Zusätzlich müssen diese Menschen eine mitunter bloßstellende und stigmatisierende „sozialpädagogische Betreuung“ und eine Verletzung des Datenschutzgesetzes durch illegale Weitergabe von „Betreuungsberichten“ an das AMS, oft hinter deren Rücken, hinnehmen.

Diese Workfare-Programme werden unter Androhung der Existenzvernichtung durch menschenrechtswidrige Bezugssperren, die auch schon von der UNO kritisiert wurden, erzwungen.

Nun werden unter dem Programm 50plus Menschen besonders ältere Arbeitslose mit viel Berufserfahrung und Qualifikation am zweiten Arbeitsmarkt zu ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse degradiert, was besonders demütigend ist, weil diese sofort am „ersten Arbeitsmarkt“ einsetzbar wären, aber von der Wirtschaft massiv diskriminiert werden, ohne dass die Wirtschaft für diese grundlegenden Rechtsverletzungen je zur Verantwortung gezogen wird. Erfahrene und hoch qualifizierte Menschen dürfen nicht nur massive Gehaltsverluste hinnehmen, und eventuell eine Verringerung der Bemessungsgrundlage für die Pension, sondern werden mit einfacher und gesundheitlich bedenklicher Arbeit dequalifiziert und geschädigt (z.B. Fetzen schlichten in unbelüfteten Garagen für AkademikerInnen?

Wir haben daher folgende Fragen:

  • Warum werden diese Menschen in Ihrem Artikel nicht mit einem Wort erwähnt?
  • Sind diese in Ihren Statistiken enthalten? Wenn ja, wir groß ist deren Anteil?
  • Wie stehen Sie persönlich und die AK Oberösterreich zur sittenwidrigen Transitarbeitskräfteregelung?
  • Wie stehen Sie zur Altersdiskriminierung durch das AMS-Programm 50plus, das ältere ArbeitnehmerInnen auf den diskriminierenden und perspektivlosen „zweiten Arbeitsmarkt“ abschiebt?

  • Was gedenken Sie und die AK Oberösterreich gegen diese skandalöse Entrechtung erwerbsarbeitsloser Menschen, die ja selbst Jahrzehnte lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben und somit die wahren Auftraggeber sind, zu unternehmen?

  • Wie stehen Sie und die AK Oberösterreich dazu, dass diese SÖBs und GBPs, die ja von uns selbst finanziert werden, gemäß der von AK und ÖGB mit beschlossenen SÖB/GBP-Richtlinie des AMS Österreich für deren Arbeitgeberdachverbände auf Kosten der Versicherungsgemeinschaft (also von uns ArbeitnehmerInnen!) 1% der AMS-Förderungen abführen dürfen, Arbeitslosenselbstorganisationen hingegen keinerlei Anspruch auf Förderung haben und somit völlig leer ausgehen?

  • Wie stehen Sie und die AK Oberösterreich dazu, dass Erwerbsarbeitslose immer noch keine eigene Interessenvertretung und somit keine Mitspracherechte haben und die ILO Konvention 122 und die ILO Empfehlung 202 missachtet werden?

Mit basisgewerkschaftlichen Grüßen

Ing. Mag. Martin Mair
Obmann „Aktive Arbeitslose Österreich“

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